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Urlaub Alpen: Auf die Almen in Tirol

3 Aug

Von Tirols über 2.100 bewirtschafteten Almen gleicht keine der anderen, aber alle sind sie wunderschön und einen Ausflug wert.
Ja, es stimmt: Auf den oberen Etagen Tirols ist man dem Himmel näher. Zumindest behaupten das die Alminger, also jene Menschen, die auf den Almen als Senner und Hirten arbeiten. Auch die Gäste, die gerne von Alm zu Alm wandern, fühlen sich dort wunderbar abgehoben vom Trubel der Alltagshektik. Wo sich inmitten einer herrlichen Bergwelt die Landschaft zu neuen Ein- und Aussichten weitet, können sie die Ruhe genießen, auf einer Hütte köstliche Schmankerln aus der regionalen Bauernküche kosten und sich wieder auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben besinnen.

Weil das Dasein auf der Alm so schön ist, geht hier auch das Jodeln ganz leicht von der Brust. Die Sennerin der Durchkaseralm von Waidring begrüßt oder verabschiedet ihre Gäste etwa gern mit einem kraftvollen Juchezer. Es sind immer auch die Alminger selbst, die eine Alm unverwechselbar machen. Und nicht alle sind sie so, wie man sich einen knorrigen, wortkargen Tiroler vorstellt. So arbeiten auf Tirols Almen zusehends mehr junge Menschen, die ihre Liebe zum einfachen Leben in der Natur entdeckt haben.

Die Juifenalm im Sellraintal wird von zwei jungen Frauen namens Silvia und Judith geführt, die mit neuen kreativen Ideen alternativen Charme in Tirols Almwirtschaft bringen. Ihre selbst angesetzten Schnäpse und ihre hausgemachten Strudel sind allein schon den ca. einstündigen Aufstieg auf die Alm wert. Einen urigen Tiroler wiederum findet man auf der Oberrainsalm in der Nähe des Obernberger Sees. Der Töchterler Luis hat sogar ein Klavier im Kuhstall stehen, auf dem er hin und wieder zu Gottes Ehren Auszüge aus einer Schubert-Messe ertönen lässt. Einkehren kann man bei ihm nicht, aber dafür ist der Alpengasthof Obernbergersee ganz in der Nähe. Auch auf der zu Kirchdorf gehörenden Bacheralm ist das Leben ein Gedicht und zwar nicht nur wegen der schönen Landschaft, sondern auch deshalb, weil die sympathische Sennerin Gisi hübsche Mundartgedichte verfasst. Außerdem versteht sie sich hervorragend auf Kräuterkunde, kann über fast jedes Pflänzchen etwas Spannendes erzählen und setzt wirksame Kräuter-Elixiere an, wie zum Beispiel Kapuzinerkressentinktur, die man auch „Bauernpenicillin“ nennt.

Gasthaus, Ausschank oder Selbstversorger
In Tirol gibt es ca. 2.100 bewirtschaftete Almen. Für die Definition einer bewirtschafteten Alm ist aber nicht ein Gasthaus oder eine Almhütte mit Ausschank ausschlaggebend, sondern der Umstand, dass die Alm während der Sommermonate mit landwirtschaftlichen Nutztieren „bestoßen“ wird. Das können Rinder, Schafe, Ziegen oder Pferde sein.

Nicht auf allen, aber auf vielen bewirtschafteten Almen gibt es trotzdem ein Gasthaus oder eine Ausschank von Getränken mit Verkauf von Almprodukten. Oft wird dort auch Speck, Wurst und köstliches Bauernbrot aus eigener Produktion angeboten. Milchviehalmen haben meistens auch eine Sennerei, wo vorzüglicher Käse produziert wird. Feinschmecker erkennen am Geschmack, dass er aus Milch von glücklichen Kühen hergestellt wurde. Ebenso gut schmeckt frische Almbutter, Almjoghurt oder Alm-Frischkäse.
Manche der Tiroler Almen sind in privater Hand, etliche sind Gemeinschaftsalmen im Besitz einer landwirtschaftlichen Genossenschaft. Auf viele Almen führt eine Seilbahn, auf einige wenige nicht einmal eine Straße, da müssen auch die Kühe über Steige hinauf und hinunter wie zum Beispiel bei der Bodenalm von Brandberg im Zillertal. Die Almen im Tiroler Oberland liegen im Durchschnitt um einiges höher als die Almen im Tiroler Unterland. Auf vielen Almen wohnt nur der Senner oder die Sennerin, auf anderen Almen stehen noble Chalets mit Zimmerangebot, auf wieder anderen – wie zum Beispiel auf der Burgeralm bei Rettenschöss im Kaiserwinkl – gibt es gemütliche Selbstversorgerhütten zum Mieten, wo man ebenfalls herrlich urlauben kann. Manche Almen sind klein, manche groß, manche sind sogar richtige Almdörfer.
Eines der schönsten Almdörfer Tirols befindet sich auf der Eng-Alm im Karwendel. Es ist mit seinem Ensemble aus schmucken Almgebäuden eine Sehenswürdigkeit und gleichzeitig ein sehr lebendiges Zeugnis bäuerlicher Arbeit, denn die Eng-Alm ist die größte Melkalm Tirols. Die weidenden Kühe inmitten der bis zu 600 Jahre alten Bergahorne vor dem Gebirgsmassiv des Naturparks Karwendel ergeben ein beeindruckendes Bild, dessen Faszination sich kein Besucher entziehen kann. Im Almdorf selbst kann man in der Schau-Sennerei dem Senner beim Käsen zuschauen und die köstlichen Almprodukte gleich nebenan im Bauernladen kaufen. Außerdem gibt es gute Möglichkeiten zum Einkehren, viele Spielmöglichkeiten für Kinder und herrliche Wanderwege, die u.a. auf weitere Almen führen.

Welche Tiroler Almen man auch immer besucht, egal ob zu Fuß oder mit der Seilbahn, egal ob mit Rucksack oder gleich mit dem Koffer, weil man in einer Almhütte Urlaub macht – man wird überall herzlich empfangen und kann in herrlicher Umgebung und gesunder Luft ganz besonders schöne Stunden genießen. Nah am Himmel eben.

Lesetipp von Irene Prugger: „Almgeschichten. Vom Leben nah am Himmel“, Löwenzahn Verlag Innsbruck

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